TRIBO Hartstoff GmbH
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 Feinstkornhartmetalle, Ultrafeinstkornhartmetalle

 Eigenschaften von Feinstrukturierten Hartmetallen

Die feinteilige Gefügestruktur führt bei diesen Hartmetallen zu teilweise signifikanten Eigenschaftsänderungen. Die wesentlichen Änderungen sind nachfolgend kurz dargestellt.
 
3.1 Härte
 
In Hartmetallen gleicher chemischer Zusammensetzung wird die Härte in erster Linie von der Korngröße der Karbidphase bestimmt. Da die Attritormahlung weniger einen Mahl- als vielmehr einen Homogenisierungsvorgang realisiert, wird die Härteeigenschaft fast nur durch die Korngröße der Ausgangspulver beeinflusst. Mit fallender Korngröße steigt die Härte beträchtlich an (Abb. 1), so dass die Feinst- und Ultrafeinstkorn-Hartmetalle durch ihre hohen Härten auffallen. Die Härtesteigerung geht einher mit der Erhöhung der Koerzitivfeldstärke und zeigt an, dass die Bindemetallphase feiner verteilt vorliegt und unter einer höheren Zugspannung steht.



Abb. 1 : Veränderung der mech. Eigenschaften in Abhängigkeit von der Korngröße
 
3.2 Warmhärte

Mit zunehmender Kornfeinheit verfügen diese Hartmetalle insbesondere über verbesserte Härteeigenschaften bei erhöhten Temperaturen, so dass daraus gefertigte Zerspanungswerkzeuge Einsatzvorteile aufweisen.

3.3 Biegebruchfestigkeit

Diese Eigenschaftsgröße entscheidet in hohem Maße über das Einsatz- und Anwendungsprofil der Hartmetalle.
Eine kleinere Korngröße der Karbidphase hat bei gleichem Co-Gehalt eine Verringerung des mittleren feinen Abstandes der WC-Körner zur Folge und damit eine Verminderung der Teilchenbeweglichkeit.
Eine Erhöhung der Biegebruchfestigkeit ist so lange noch zu erreichen, bis die Co-Zwischenschicht kein freies Co mehr enthält und der sortenspezifische Grenzwert des mittleren freien Abstandes unterschritten wird. Die bekannten Sorten haben diesen Punkt noch nicht erreicht und weisen verbesserte Biegebruchfestigkeiten auf (Abb. 1).


3.4 Bruchzähigkeit

Die Bruchzähigkeit verhält sich im gleichen Sinne wie die Biegebruchfestigkeit, mit fallen- der WC-Korngröße steigt sie an, wenn die Zusammensetzung gleich bleibt. Es besteht also eine Korrelation zwischen WC-Korngröße, Koerzitivfeldstärke, Biegebruchfestigkeit und Bruchzähigkeit.


3.5 Druckfestigkeit

Die hohe Druckfestigkeit der Hartmetalle ist eine der wichtigsten Eigenschaften dieser Werkstoffe, da sie in praktisch allen technischen Anwendungen von Bedeutung ist.
Durch die Erhöhung der Feinstruktur tritt eine signifikante Steigerung ein und derartige Hartmetalle besitzen die höchsten Druckfestigkeiten bei vergleichbaren Zusammensetzungen (Abb. 1).

3.6 Verschleißfestigkeit
 
3.6.1 Abrasivverschleiß

Mit sinkender WC-Einsatzkorngröße steigen Härte und Festigkeit der Feinst- und Ultrafeinstkorn-Hartmetalle und der Verschleiß durch Abrasion nimmt ab.
Der härtere HM-Körper setzt dem Abrieb einen größeren Widerstand entgegen, außerdem werden die dünnen Bindemetallschichten zwischen den feinstkörnigen Hartstoffkristalliten schwieriger herausgewaschen und die kleinen, aus dem Gefügeverband ausbröckelnden Hartstoffteilchen, führen zu einem deutlich verlangsamten Verschleißfortschritt.

3.6.2 Korrosionsverschleiß

Ähnliche Wirkung wie beim Abrasivverschleiß ist auch beim korrosiven Verschleiß festzustellen. Infolge Feinst- und Ultrafeinstkornstruktur, kleinsten Kristallkorngrößen und insbesondere signifikant verringerter Bindemetallzwischenschicht werden letztere nur schwer von den Korrosionsmedien erreicht. Da dabei wiederum nur kleinste Hartstoffteilchen ausbrechen, wird der korrosive Abtrag verringert. Zur Wachstumshemmung des WC wird
meist mit Cr3C2-Zusätzen gearbeitet, die größtenteils im Bindemetall gelöst sind. Diese wirkt passivierend und tragen zur Verbesserung der Korrosionsfestigkeit bei.
Da in den wenigsten Anwendungen abrasiver und korrosiver Verschleiß genau zu trennen ist, ist wegen der generellen Eigenschaftsverbesserung ein Feinststruktur-Hartmetall die bessere Wahl.

3.7 Wärmeleitfähigkeit

Für ihre Anwendung ist die Wärmeleitfähigkeit der Hartmetalle von großer Bedeutung. Mit fallender Korngröße der Karbidphasen nimmt auch die Leitfähigkeit für Wärme ab und folglich werden derartige Werkzeuge und Werkzeugsysteme nicht mehr so hoch temperaturbelastet.
Die Ursache ist darin zu sehen, dass im Zerspanvorgang der Hauptteil der Wärmeenergie in die Späne geleitete und mit diesen aus dem Prozeß ausgetragen wird. Eine geeignete Prozeßführung, z.B. durch hohe Schnittgeschwindigkeiten bei den Hochleistungsbearbeitungen, dienen dabei der Unterstützung dieser Vorgänge.
In Tabelle 2 ist der Einfluss der Feinstruktur auf die verschiedenen Eigenschaften von Hartmetallen dargestellt.


Parameter Änderung
Dichte sinkt
Härte steigt
Koerzitivkraft steigt
spez. magn. Sättigung keine
Biegebruchfestigkeit steigt
Bruchzähigkeit steigt
Schlagfestigkeit steigt
Wechselfestigkeit steigt
Druckfestigkeit steigt
Poisson-Zahl keine
E-Modul steigt
Schubmodul keine
elektr. Leitfähigkeit sinkt
Warmfestigkeit steigt
Wärmeleitfähigkeit sinkt
Wärmeausdehnungskoeffizient keine
spezifische Wärme keine
 
Tab. 2 : Eigenschaftsänderungen an HM-Legierungen infolge Feinstruktur
 
In allen anwendungsrelevanten Eigenschaften wie Härte, Zähigkeit, Festigkeit und Starrheit führt die feinere Struktur zu Verbesserungen. Dennoch kann nicht der Schluss gezogen werden, dass immer die Hinwendung zu feinstrukturierten Hartmetallen auch zu einer generellen Verbesserung der Einsatzergebnisse führt.
 
   
Weiter mit dem Kapitel "Anwendung der Feinststrukturhartmetalle"
 
Inhalt:
1. Einführung
2. Einteilung feinstkörniger
    Hartmetalle
3. Eigenschften von feinstrukturierten
    Hartmetalllegierungen
4. Anwendung der
    Feinstrukturhartmetalle
5. TRIBO Feinstkorn und
    Ultrafeinstkorn- Hartmetalle
6. Sorten in Einzeldarstellung